Rübenzucker aus Zuckerrüben
Sie sieht unscheinbar aus, hat es aber in sich. Eine ausgewachsene Zuckerrübe enthält zwischen 15 bis 20 Prozent Zucker. Nur, wie kommt er da wieder raus?
Man sieht sie gerade oft auf den Strassen – Traktoren mit voller Ladung brauner Rüben frisch vom Feld. Ihr Kurs: die Zuckerfabrik Aarberg. Dort werden noch bis Ende Jahr täglich etwa 10 000 Tonnen Zuckerrüben verarbeitet. Die weisse Pracht landet später in Schoggi, Joghurts, Getränken oder als Haushaltszucker in den Läden.
Aroma rauskochen – wie beim Teebeutel
In der Fabrik werden die Rüben gewaschen und klein geschnitten. Diese Stücke nennt man Rübenschnitzel. In sogenannten Extraktionstürmen werden sie durch 70 °C heisses Wasser befördert. Dabei löst sich der Zucker – es entsteht ein Rohsaft.
Durch Zugabe von Kalkmilch und Kohlensäure wird er gereinigt und gefiltert, bis ein klarer, zuckerhaltiger Dünnsaft entsteht. Der kommt nun in eine Verdampfstation. Hier wird er so lange eingedampft, bis sein Zuckergehalt auf ca. 65 Prozent steigt.
Aus dem Dünnsaft ist nun ein sirupartiger Dicksaft geworden. Diesem wird in den Kristallisatoren weiter Wasser entzogen. Dabei beginnen erste Zuckerkristalle zu wachsen. Durch das Schleudern in einer Zentrifuge werden die Kristalle schliesslich vom Sirup getrennt – fertig ist der süsse Alleskönner.
Nichts wird weggeworfen
Klingt nach viel Abfall? Im Gegenteil, der Herstellungsprozess bringt viele wertvolle Stoffe zum Wiederverwenden hervor – von der Gartenerde über Viehfutter und Düngemittel bis zu Ethanol für Kosmetik- und Pharmaprodukte. Das Nebenprodukt Melasse ist ein wertvolles Bindemittel und Geschmacksträger in Futtermischungen.
Das Holzkraftwerk liefert die Energie
Die Zuckerrübe besteht zu 75 Prozent aus Wasser. Das muss alles verdampft werden, entsprechend viel Energie braucht die Zuckerproduktion. In Aarberg stammt diese seit 2021 aus dem benachbarten
Holzkraftwerk. Es liefert Ökostrom für die Fabrikanlagen und Wärmeenergie in Form von heissem Dampf. Über 60 Prozent des Brennstoffs – rund 70 000 Tonnen – stammen aus Altholz.
Wärme auch für die Evolon-Kundschaft
Schon gewusst? Das Holzkraftwerk produziert auch umweltfreundliche Abwärme für den Wärmeverbund Evolon Aarberg. Die Fernwärmeleitungen verlaufen vom Kraftwerk durch die Zuckerfabrik direkt ins Netz der Evolon – und von dort zu den Haushalten, zum Gewerbe und zu öffentlichen Einrichtungen. Eine nachhaltige, zuverlässige und wartungsarme Wärmeversorgung direkt aus der Region.