Interview zur Wasserqualität in den drei Seeland-Seen.
Was ist im Seewasser alles drin? Wir haben die Expertin gefragt. Irene Wittmer vom Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern weiss, wie sauber unsere Gewässer sind.
Frau Wittmer, wie würden Sie die Wasserqualität der drei grossen Seen im Seeland einstufen?
Sie ist wieder ziemlich gut. Seit man in den 1960er-Jahren damit begann, Kläranlagen zu bauen, und Phosphat in Waschmitteln 1986 verboten wurde, ist die Nährstoffbelastung zurückgegangen. Dadurch hat sich die Wasserqualität kontinuierlich verbessert. Heute stellt der Klimawandel den Gewässerschutz aber vor neue Herausforderungen.
Was ist jeweils typisch für den Neuenburger-, den Bieler- und den Murtensee?
Dem Neuenburgersee geht es von den drei Seen am besten. Das hat mit seiner Grösse und Tiefe zu tun. Der Murtensee hat tendenziell eine höhere Algenproduktion als die anderen beiden. Die Algen sinken ab und werden abgebaut, wozu es Sauerstoff braucht. Auf dem Seegrund fehlt dieser dann den Fischen und anderen Lebewesen. Der Bielersee liegt im Mittelfeld, es geht ihm mittlerweile recht gut. Wir finden dort erfreulicherweise auch mehr Wasserpflanzenarten als früher. Ich habe schon in allen drei Seen gebadet.
Wie wird das Seewasser kontrolliert?
Einmal im Monat fahren wir in Zusammenarbeit mit den Kantonen Neuenburg, Waadt und Freiburg auf die drei Seen und entnehmen Wasserproben. Weniger engmaschig beobachten wir die Entwicklung der Wasserpflanzen im Bielersee und jene der Kleinlebewesen am Grund von Neuenburger- und Murtensee. In allen drei Seen werden auch invasive Arten wie die Quaggamuschel untersucht.
Quaggamuscheln verbreiten sich explosionsartig. Wie beeinflussen sie die Wasserqualität?
Die Quaggamuschel verändert das Ökosystem im See grundlegend. Sie verdrängt heimische Muscheln und entnimmt dem Wasser Plankton. Für Fische kann dies weniger Futter bedeuten, für uns Menschen klareres Wasser beim Baden.
Wie gefährlich sind Blaualgen?
Blaualgen sind Teil des natürlichen Ökosystems. Bei Massenvermehrung können sie beim Menschen Hautirritationen verursachen. Gefährlicher wird es bei Hunden. Wenn sie Blaualgenmatten fressen oder grössere Mengen von Blaualgen verschlucken, kann das für sie tödlich sein.
Welche Schadstoffe sind im Seewasser nachweisbar?
Von Pestiziden über Arzneimittel bis zu den Ewigkeitschemikalien PFAS finden wir alles, was der Mensch im Alltag verwendet – aber jeweils in Konzentrationen, die für die Lebewesen im See unbedenklich sind.
Kann ich Seewasser trinken?
Ein Schluck oder auch mehrere machen sicher nichts. Aber sonst wäre ich eher vorsichtig. Vor allem Fäkalbakterien können zu Durchfall oder Erbrechen führen. Sie kommen nach Starkregen häufiger vor.
Wann raten Sie im Hinblick auf die Wasserqualität davon ab, im See zu baden?
Ein Schluck oder auch mehrere machen sicher nichts. Aber sonst wäre ich eher vorsichtig. Vor allem Fäkalbakterien können zu Durchfall oder Erbrechen führen. Sie kommen nach Starkregen häufiger vor.
Schade ich dem Seewasser mit meiner Sonnencreme?
Darüber wissen wir noch nicht viel. Es braucht mehr Forschung dazu, welche UV-Filter dem Wasser tatsächlich schaden. Hilfreich ist sicher, die Sonnencreme gut einziehen zu lassen, bevor man ins Wasser springt.
ZUR PERSON
Irene Wittmer vom Amt für Wasser und Abfall ist Fachfrau für Gewässerbeurteilung und leitet seit 2023 das Gewässerund Bodenschutzlabor des Kantons Bern. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Chemikalien in Gewässern. Privat badet sie gerne spontan in Seen und Flüssen und freut sich immer wieder über deren Schönheit.
Tipp 1: Weniger ist mehr
Fast alle Flüssigkeiten gelangen in Gewässer. Achten Sie bei Putzmitteln, Farben, Arzneimitteln und im Garten darauf, was Sie verwenden. Entsorgen Sie Chemikalien in der Verkaufsstelle oder in der Abfallsammelstelle, aber nie im WC oder im Waschbecken.
Tipp 2: Achtung bei Pestiziden
Pestizide auf Plätzen und Wegen sind verboten, weil sie leicht in Gewässer gelangen. Ab diesem Herbst dürfen Privatpersonen im Garten zudem nur noch Pflanzenschutzmittel mit sogenanntem «geringem Risiko» verwenden. Überprüfen Sie Ihre Produkte und bringen Sie alte Gebinde zur offiziellen Sammelstelle.